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Tag des Denkmals - 27. September 2020 - ABGESAGT 

 

 

 

 

Schloss Ebreichsdorf - Geschichte

Der nachgewiesene Ursprung dieser alten, in Sümpfen strategisch geschützt gelegenen Festung geht auf die späte Babenbergerzeit um die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Damals waren es gerade die Mongolen, die von Osten her die Reichsgrenzen überrannten und bis vor Wien drangen.

 

Auch in späteren Jahrhunderten war das Grenzland zu Ungarn Schauplatz wiederholter Eroberungszüge aus dem Osten. Die Feste Ebreichsdorf musste sich dem Ungarnkönig Matthias Corvinus im Jahre 1480 ebenso ergeben wie im Jahre 1529 den türkischen Heerscharen Suleiman des Prächtigen.

 

Die danach erfolgte Wiederherstellung verwandelte die Burg in eine Renaissanceschlossanlage, und fortan diente sie als fester Wohnsitz für manch einflussreiche Familie am Kaiserhof in Wien. Zweimal noch sollte sie allerdings fast Opfer fremder Truppen werden. Die Türken belagerten die Burg im Jahre 1683, doch schlossen die Besitzer noch rechtzeitig vor der drohenden Vernichtung einen Neutralitätsvertrag und somit entging Ebreichsdorf dem Schicksal so vieler anderer Festungen und Städte in den von den Türken devastierten Ländern.

 

Aber auch im 20. Jahrhundert musste das Schloss Ebreichsdorf die Pforten Eindringlingen aus dem Osten öffnen: Die rote Armee beschlagnahmte das Schloss und benützte es 10 Jahre als Kaserne. In diese Zeit fällt auch ein gefährlicher Brand in einem der Türme, der nur durch hunderte freiwillige Helfer aus der Bevölkerung gelöscht werden konnte. Ein für die Gegend wichtiges kulturhistorisches Monument wurde gerettet.

Die Schlossherren

Otacher von Ebreichsdorf

Ulrich II und Berthold von Pergau

Rudolf von Tirna

Herren von Werde (Wallsee Drosendorf und Wallsee Enns)

Herrenlos (?)

Simon Pötel

In ungarischer Hand

Herrenlos (?)

Bernardino de Menesiis

Herren von Zelking

Herren und Freiherren Beck von Leopoldsdorf

Johann Baptist Anton von Pestaluzz

Veit Schinderl von Imendorf

Freiherren von Moser

Grafenvon Collalto

Freiherren Pilati von Thassul

Franz von Wiesenhütten

Freiherren von Bartenstein

Josefa von Rottenhausen

Marcus Lorenz Graf von Bussy-Mignot

Franz Graf von Kolowrat-Liebsteinsky

Rosa Gräfin Spiegel zum Diesenberg

Grafen von Arco-Zinneberg

Freiherren Drasche von Wartinberg

Ende des 13. Jhdts.

1319 - 1385

1385 - 1393

um  1440

bis 1453

1453 - 1481

1481 - 1490

1490 - 1539

1539 - 1553

1553 - 1568

1568 - 1629

1629 - 1634

1634 - 1639

1639 - 1686

1686 - 1705

1705 - 1747

1747 - 1749

1749 - 1826

1826 - 1827

1827 - 1843

1843 - 1861

1861 - 1870

1870 - 1909

seit 1909

 


Wenn man sich die lange Liste der hier angeführten Schlossherren ansieht, gibt es im Lauf der Jahrhunderte kaum eine Familie, die länger als 50 – 70 Jahre in Ebreichsdorf ansässig war; ja manch ein Besitzer blieb sogar nur wenige Jahre.

 

Abgesehen von dem oben angeführten kurzen historischen Abriss, aus dem ersichtlich ist, dass Ebreichsdorf, über die Jahrhunderte hinweg an einem geographischen und militärisch neuralgischen Schnittpunkt zwischen Ost und West liegend, wiederholt erobert oder überrannt wurde und somit sich ein zwangsweiser Wechsel der Besitzverhältnisse ergab, kann eine anderer Ursache für das häufige Kommen und Gehen der Besitzerfamilien als Erklärung dienen: Die Nähe der Herrschaft Ebreichsdorf zur Haupt- und Residenzstadt Wien.

 

Wien und der Kaiserhof wirkten über die Jahrhunderte als Magnet für viele, die sich den sozialen, gesellschaftlichen und politischen Aufstieg erhofften oder die dahin berufen wurden. Aus dem ganzen weiten Reich kamen sie – von Spanien bis Böhmen, aus den deutschen Landen oder Italien, aus den Niederlanden oder auch aus Ungarn – um sich hier Amt und Würde, Rangerhöhung und Macht zu erwerben.

 

So wundert es nicht, dass manch solch Mächtiger sich umschaute um eine standesgemäße Herrschaft; und Ebreichsdorf lag günstig. Einige Beispiele seien dafür angeführt: Rudolph von Tirna, Sohn des einflussreichen Wiener Patriziers und Bürgermeisters Hans von Tirna, Mitbegründer der Wiener Universität im Jahre 1365 und Stifter der Tirna-Kapelle im Stephansdom, wird in Ebreichsdorf in den 90er Jahren des 14. Jhdts. als Schlossherr erwähnt. Ihm wird auch die Erbauung der wertvollen gotischen Schlosskapelle zugeschrieben.

 

Oder etwas später, in der 2. Hälfte des 15. Jhdts., Simon Pötel, mächtiger Handelsherr, reicher Patrizier in Wien, hoch angesehen beim Dogen und beim Kaiser. Er hielt sich in Ebreichsdorf im Sinne der höfischen Sitte seiner Zeit einen Zwerg, dessen gotische Grabsteinplatte noch heute die Südwand der Ebreichsdorfer Pfarrkirche ziert. Allerdings verzichtete er zweimal auf das Amt des Bürgermeisters von Wien mit dem Argument, dass er sich dieses Amt nicht leisten könne.

 

Und über 100 Jahre später zieht ein Geschlecht in Ebreichsdorf ein, welches nachhaltigen Einfluss auf die Gestaltung bzw. den Weiterbau der Burg sowie der Pfarrkirche, des Pfarrhofes und sonstiger Nebengebäude nahm: Als Hieronymus Beck von Leopoldsdorf 1568 die Herrschaft Ebreichsdorf erwarb, blieben ihm noch 28 Jahre seines Lebens, um sich einen kulturellen Wunschtraum zu erfüllen.

 

Neben den erwähnten baulichen Adaptierungen und Erweiterungen der Burg- bzw. Schlossanlage, die bis zum heutigen Tag fast unverändert erhalten blieben, trug er die neben dem Kaiserhaus wichtigste juridische Bibliothek mit über 20.000 Folianten zusammen, sammelte römische Stelen von Wien bis Carnuntum und begründete ein bedeutendes Lapidarium. Während er als Schlossherr ganz im Renaissancezeitgeist den Wissensstand und Lebensstil, welche er seit seiner Erziehung bei Hof als Page und Mitzögling des künftigen Maximilian II. über seine juridischen Studien in Padua und seine diversen Reisen, die ihn von England bis Ägypten, ins Morgenland und nach Konstantinopel führten, erworben hatte, hier auslebte, überwachte er gleichzeitig die Entstehung eines kunsthistorisch äußerst wichtigen Werkes, des sogenannten „Porträtbuches des Hieronymus Beck“ (heute im Besitz der Pinakothek in München und des Kunsthistorischen Museums in Wien). Trotzdem fand er Zeit, seinen 3 Kaisern, Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf II. ein treuer Diener in mannigfaltigen Hofämtern zu sein oder den Hof finanziell zu unterstützten. Sein Vater, Marcus Beck, hatte allerdings bereits den Grundstein für den sozialen Höhenflug der Familie gesetzt, als er vom Schwabenland als mittelloser Student gen Wien zog und hier Jurisprudentia studierte. Dies brachte ihm im Jahre 1522 unter Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser Ferdinand, die Position des Kammerprokurators ein. Eine Pikanterie am Rande ist der unter ihm geführte, berüchtigte Prozess von Wiener Neustadt, in dem anti-kaiserliche Aufständische, unter ihnen der damalige Bürgermeister von Wien, Dr. Martin Siebenbürger, bei dem Beck noch wenige Jahre zuvor Rechtswissenschaft studiert hatte, zum Tode verurteil wurden. In Anerkennung dieses unbeugsamen, juristischen Kraftaktes wurde er allerdings im Jahr darauf in den Adelsstand erhoben.

 

Noch ein Senkrechtstarter der österr. Geschichte sei hier erwähnt: Johann Christoph Freiherr von Bartenstein, der Ebreichsdorf im Jahre 1749 kaufte, stammte ebenfalls aus kleinen und noch dazu protestantischen Verhältnissen aus Straßburg. Doch der Emporkömmling, wie er am Zenit seiner Macht genannt wurde, machte unweigerlich Karriere und wurde als Vizekanzler des Reiches zu einem der engsten Berater Maria Theresias. Sie fand in ihm einen unbeugsamen Kampfgenossen gegen den verhassten Preußenkönig in der Zeit des Österr. Erbfolgekrieges und der beiden Schlesischen Kriege. So erinnert sie sich in ihrer ersten Denkschrift aus den 50er Jahren folgendermaßen an ihn: „Ich sage nicht, dass er ohne Fehler gewesen, muss ihm aber die Justiz leisten, dass ihm allein schuldig die Erhaltung dieser Monarchie, ohne seiner wäre alles zugrunde gegangen.“

 

Und noch einmal, im 19. Jhdt., war ein politischer Spitzenfunktionär als Schlossherr von Ebreichsdorf zu finden. Von 1843 bis 1861 war Franz Graf Kolowrat-Liebsteinsky hier ansässig. Zuerst in Amt und Würden als Staats- und Converenzminister unter Metternich und zu Beginn der Regierung des jungen Franz Joseph kurz Ministerpräsident, zog er sich dann eher grollend aus der Politik zurück, um sich, wie er es formulierte, fortan ganz seiner geliebten Hortikultur in Ebreichsdorf zu widmen.

 

Als Schloss und Herrschaft Ebreichsdorf zu Beginn des Jahrhunderts vom Urgroßvater des derzeitigen Inhabers, Dr. Richard Freiherr von Drasche-Wartinberg, anlässlich der Hochzeit seines Sohnes erworben wurden, kam Ebreichsdorf die Rolle eines zeitweiligen Sommerlandsitzes zu. Heute hingegen befinden sich hier Hauptwohnsitz und Zentrum der Familie Drasche und Ihrer Interessen. Neben den traditionellen land- und forstwirtschaftlichen Bereichen des Gutes, wurde in den letzten 20 Jahren ein konsequenter Weg des Aufbaues von – dem heutigen Trend entsprechenden – Freizeitanlagen beschritten. So sind in Ebreichsdorf der Reitsport in all seinen Disziplinen und dabei als neueste Ergänzung das Polospiel ebenso beheimatet wie der Golfsport auf einer großzügig angelegten 18-Loch Anlage mit dem bereits über die Landesgrenzen hinaus bekannten – von Hans Hollein erbauten – Golfclubhaus.

 

Die wachsende Zahl der Besucher, die diese Sportarten mittlerweile nach Ebreichsdorf bringen und in Zukunft noch mehr anziehen werden haben in Österreich eine Freizeit- und Tourismusentwicklung eingeleitet, deren Wachstumspotential vielversprechend ist. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Durchführung der VIII. FIP Polo Europameisterschaft, die von 2. – 12. September 2010 im Poloclub Schloss Ebreichsdorf ausgetragen wurde. Über 8.000 Zuschauer haben die aufregenden Spiele mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Kulturelles Herzstück ist und bleibt allerdings das Schloss, welches zwar der Öffentlichkeit nicht generell zugänglich ist, aber bei einer Vielzahl von Veranstaltungen über die Jahre einem größeren Kreis geöffnet wurde; und wenn es nach dem Hausherrn geht, soll es auch in Zukunft so bleiben.